Unser pädagogisches Konzept

Wir erschaffen eine ganze Welt, in der Kinder und Jugendliche stark werden.

Geschichten, Briefe, Lieder und Spiele laden zum Mitmachen ein. Dahinter stehen drei Entwicklungsziele: Resilienz, Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz. Kinder und Jugendliche stärken diese Fähigkeiten, indem sie sie selbst erleben, ausprobieren und gemeinsam darüber nachdenken.

Unser Bild vom Kind

Jedes Kind trägt schon in sich, was es braucht.

Wir verstehen Kinder und Jugendliche als aktive Gestalterinnen und Gestalter ihrer eigenen Entwicklung. Unsere Aufgabe ist nicht, sie zu formen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen sie wachsen können.

Wir begleiten, statt zu steuern. Wir trauen zu, statt abzunehmen. Und wir halten aus, dass Entwicklung nicht geradlinig verläuft.

Drei Grundbedürfnisse, an denen wir uns orientieren

Die Entwicklungspsychologie zeigt: Kinder lernen und wachsen dann am besten, wenn drei Grundbedürfnisse erfüllt sind (Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan).

Zugehörigkeit

Ich gehöre dazu, so wie ich bin. – Feste Gruppe, verlässliche Bezugspersonen, Rituale.

Kompetenz

Ich kann etwas. – Aufgaben, die fordern, aber zu bewältigen sind.

Autonomie

Ich darf mitentscheiden. – Wahlmöglichkeiten, eigene Ideen, bei den Teens ein Wunschbrief vor dem Lager.

Unsere drei Entwicklungsziele

Was wir fördern – und wie es sich zeigt

Resilienz

Die Fähigkeit, Belastungen zu bewältigen und aus schwierigen Erfahrungen gestärkt hervorzugehen. Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern lässt sich stärken.

So zeigt es sich: Ein Pfeil geht daneben – und das Kind versucht es noch einmal, ruhiger, mit einem Atemzug mehr. Heimweh darf sein: Wer davon erzählt, erlebt, dass er getragen wird.

Persönlichkeits­entwicklung

Sich selbst kennenlernen: eigene Stärken, Gefühle, Grenzen und Werte. Ein stabiles Selbstbild ist die Grundlage, um mutig zu handeln und sich treu zu bleiben.

So zeigt es sich: Ein Kind merkt, was es richtig gut kann, und macht daraus sein eigenes Kraftsymbol. Eine Jugendliche sagt in der Gruppe, was sie denkt – auch wenn die anderen es anders sehen.

Sozialkompetenz

Zuhören, sich einfühlen, Konflikte lösen, kooperieren, Hilfe anbieten und annehmen. Sozialkompetenz entsteht dort, wo Kinder echte Aufgaben gemeinsam bewältigen müssen.

So zeigt es sich: Die Kiste geht nur auf, weil alle ihren Teil beitragen. Ein Streit wird im Abendkreis geklärt – zuhören, verstehen, gemeinsam weitergehen.

Handgeschriebene Karte eines Kindes: Was hat mir am Lager am besten gefallen? Ich habe gelernt, dass ich mir selbst und anderen vertrauen kann.

Eine Kinderstimme

«Ich habe gelernt, dass ich mir selbst und anderen vertrauen kann.»

Antwort eines Kindes auf die Frage: Was hat dir am Lager am besten gefallen?

Was heisst Resilienz konkret?

Resilienz heisst: immer wieder zu sich zurückfinden.

Die Resilienzforschung beschreibt sechs Fähigkeiten, die Kinder und Jugendliche widerstandsfähig machen (Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse). Wir haben jede davon fest im Programm verankert.

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Gefühle bei sich und anderen erkennen. Im Lager: Morgenkreis mit der Frage «Wie geht es dir heute?», Yoga, Körperreisen.

Selbststeuerung

Sich beruhigen, Impulse lenken. Im Lager: Atemübungen, die Kinder auch allein anwenden können.

Selbstwirksamkeit

Die Erfahrung «Ich kann etwas bewirken». Im Lager: Reiten, Pfeil & Bogen, eigene Ideen in der Werkstatt.

Sozialkompetenz

In Beziehung gehen, kooperieren, Konflikte lösen. Im Lager: Rätsel, die nur gemeinsam lösbar sind, das Kistenrätsel, Abendkreis.

Umgang mit Stress

Belastung erkennen und bewältigen. Im Lager: Heimweh, Neues, Unsicherheit – begleitet statt vermieden.

Problemlösen

Wege finden, wenn etwas nicht klappt. Im Lager: die Geschichte stellt jeden Tag eine neue Aufgabe.

Acht Sätze, die mitwachsen

Unser Ziel ist, dass jedes Kind zu diesen Sätzen ein inneres Ja spüren kann. Sie stecken in den Geschichten und Liedern – und begleiten die Kinder und Jugendlichen weit über die Lagerwoche hinaus.

  • «So wie ich bin, bin ich ok.»
  • «Meine Gefühle dürfen da sein.»
  • «Ich werde einen Weg finden.»
  • «Ich traue mir etwas zu.»
  • «Ich darf Nein sagen.»
  • «Ich darf mir Hilfe holen.»
  • «Ich bin wertvoll.»
  • «Ich darf Fehler machen – und daraus lernen.»

Wie Lernen bei uns geschieht

Acht pädagogische Prinzipien

Kinder und Jugendliche lernen am meisten, wenn sie selbst entdecken dürfen. Darum ist jeder Tag so gestaltet, dass Lernen ganz natürlich im Spiel, im Abenteuer und in der Gemeinschaft geschieht.

  1. 1Erleben vor Erklären. Erfahrungen, die mit Körper und Gefühl gemacht werden, wirken nachhaltiger als jede Erklärung. Darum lernen die Kids und Teens im Tun – auf dem Pferd, im Wald, im Spiel.
  2. 2Geschichten als Spiegel. Unsere Figuren sind neu, haben Angst, machen Fehler. Kinder erkennen sich in ihnen wieder und können über die Figur sprechen, was sie selbst bewegt.
  3. 3Herausforderung im richtigen Mass. Lernen geschieht zwischen «zu leicht» und «zu schwer». Jede Aufgabe ist so gebaut, dass sie fordert und mit etwas Mut zu schaffen ist.
  4. 4Reflexion macht aus Erlebnis Erfahrung. Nach Spielen und Aufgaben eine kurze Frage: Was hat geholfen? Was war schwer? Erst so wird das Erlebte zu etwas, das bleibt.
  5. 5Struktur gibt Sicherheit. Wiederkehrende Rituale – Morgenkreis, Lied, Abendkreis – geben Halt. Wer sich sicher fühlt, traut sich Neues.
  6. 6Mitbestimmung. Kinder und Jugendliche gestalten mit: ihre Bastelwerke werden Teil des Hauses, die Teens bringen schon vor dem Lager ihre Wünsche ein.
  7. 7Lernen von- und miteinander. Rätsel und Aufgaben sind so angelegt, dass niemand sie allein lösen kann. Auch stille Kinder erleben: Mein Beitrag zählt.
  8. 8Gestalten mit Ich-Anteil. Auch die kreativen Aufgaben folgen dem Tagesthema: mein Zeichen, meine Stärke, mein Mut, mein Beitrag zur Gruppe. Was die Kids und Teens gestalten, macht sichtbar, was in ihnen wächst.

Unsere Rolle als Begleitende

Ermutigen. Stärken. Fördern.

Ermutigen

Wir ermutigen Kinder und Jugendliche, ihren eigenen Weg zu gehen – und zu spüren, wann Rückzug richtig ist und wann Mut gefragt ist.

Stärken

Wir stärken, was schon da ist. Wir sehen die Ressourcen jedes Kindes und machen sie sichtbar – für das Kind selbst und für die Gruppe.

Fördern

Wir fördern Konzentration, hilfreiche Denkweisen und einen achtsamen Umgang mit sich, mit anderen und mit der Natur.

Unser Fundament

Yoga ist bei uns mehr als Bewegung.

Yoga ist eine jahrtausendealte Lebensphilosophie. Sie fragt: Wie gehe ich mit mir um? Wie mit anderen? Wie finde ich zu mir zurück, wenn es laut wird? Genau diese Fragen stellen sich Kinder jeden Tag – im Kindergarten, in der Schule, auf dem Pausenplatz.

Wir übersetzen die Yogaphilosophie in die Sprache der Kinder und Jugendlichen: in Geschichten, Spiele, Aufgaben und Lieder. Sie lernen keine Begriffe auswendig. Sie erleben, was sie bedeuten.

Konfessionslos – Yoga als Philosophie, nicht als Religion.

Kinderwunderwerk ist konfessionslos. Yoga verstehen wir als Philosophie, nicht als Religion: Wir vermitteln keinen Glauben und keine religiösen Rituale. Die Yogaphilosophie ist für uns ein Weg, gut mit sich und anderen umzugehen. Kinder und Jugendliche aus allen Familien – mit jedem oder keinem Glauben – sind herzlich willkommen.

Der achtfache Pfad – kindgerecht

Patanjali beschreibt im Yoga-Sutra acht Glieder, die aufeinander aufbauen. So leben sie bei uns:

  1. 1 · Yamas

    Wie ich mit anderen umgehe

    Freundlich sein, ehrlich sein, teilen. Unsere Gruppenregeln im Lager.

  2. 2 · Niyamas

    Wie ich mit mir umgehe

    Dranbleiben, zufrieden sein, mich selbst kennenlernen.

  3. 3 · Asana

    Mein Körper

    Die Haltungen – als Tiere, Bäume, Berge. Kraft, Gleichgewicht und das Gefühl: Ich kann das.

  4. 4 · Pranayama

    Mein Atem

    Der Atem ist das Werkzeug, das Kinder immer dabeihaben. Bienenatem, Ballonatem, Drachenatem.

  5. 5 · Pratyahara

    Nach innen lauschen

    Augen zu, Lärm draussen lassen. Die Stille in der Natur hilft dabei.

  6. 6 · Dharana

    Bei einer Sache bleiben

    Der Pfeil auf das Ziel, die Kerze, das Rätsel. Konzentration, die man üben kann.

  7. 7 · Dhyana

    Still werden

    Fantasiereisen und kleine Momente der Ruhe. Für Kinder oft das Kostbarste der Woche.

  8. 8 · Samadhi

    Ganz da sein

    Dieses Gefühl, wenn alles stimmt – beim gemeinsamen Singen, auf dem Pferd, mit Freunden. Es lässt sich nicht machen, nur einladen.

Die Yamas und Niyamas – unsere Wegweiser

Zehn Haltungen, die in jeder Geschichte, jedem Brief und jedem Lied stecken. So sagen wir sie den Kids und Teens:

Ahimsa

Ich bin freundlich – zu anderen und zu mir.

Satya

Ich sage, was wahr ist – auch wenn's schwer ist.

Asteya

Ich nehme nur, was mir gehört – und teile gern.

Brahmacharya

Ich spüre, wann es genug ist.

Aparigraha

Ich kann loslassen.

Saucha

Ich sorge für Ordnung – in mir und um mich.

Santosha

Ich freue mich an dem, was da ist.

Tapas

Ich bleibe dran, auch wenn's schwierig wird.

Svadhyaya

Ich lerne mich selbst kennen.

Ishvara Pranidhana

Ich vertraue – mir, den anderen, dem Leben.

Was Yoga bei Kindern und Jugendlichen bewirkt

Was wir in über 15 Jahren mit Kindern beobachten – und was Eltern uns erzählen:

Körpergefühl

Kinder spüren, was in ihnen los ist – Hunger, Müdigkeit, Wut – oft bevor es überkocht.

Sich selbst beruhigen

Mit dem Atem finden Kinder selbst zurück in die Ruhe. Ein Werkzeug fürs ganze Leben.

Konzentration

Eine Haltung halten, einem Atemzug folgen: Aufmerksamkeit wird spielerisch geübt.

Selbstvertrauen

Im Yoga gibt es kein Besser oder Schlechter. Jedes Kind übt in seinem Tempo – und merkt, was es kann.

Gefühle verstehen

Gefühle wahrnehmen, benennen, durch den Körper fliessen lassen – statt sie wegzudrücken.

Sozialkompetenz

Partnerübungen, Gruppenbilder, gemeinsames Stillwerden: Kinder erleben, dass sie zusammen mehr schaffen.

«Deine Rituale und dein Umgang stärken die Mädchen sehr, sie fühlen sich selbstbewusster.»
– Barbara

So fliesst es in die Lagerwoche

Jeder Tag trägt eine Haltung aus der Yogaphilosophie

Die Kids und Teens erleben sie in der Geschichte, im Morgenkreis, im Yoga und im Lied des Tages.

Mo · Ankommen

Ahimsa

Freundlich ankommen. Hier wird niemand ausgelacht.

Di · Entdecken

Svadhyaya

Wer bin ich? Jedes Kind findet sein Zeichen.

Mi · Meistern

Tapas

Das innere Feuer. Dranbleiben, wenn es schwierig wird.

Do · Zusammenhalten

Asteya

Teilen, was man hat: Die Kiste geht nur auf, wenn jeder seinen Teil beiträgt.

Fr · Wachsen

Aparigraha

Loslassen, was schwer ist – und spüren, wie man gewachsen ist.

Sa · Mitnehmen

Santosha und Saucha

Dankbar mitnehmen, was stark macht – und das Haus gemeinsam schön hinterlassen.

Altersgerecht

Kids und Teens: jedes Alter mit eigenem Programm

Sechsjährige und Sechzehnjährige stehen vor ganz unterschiedlichen Entwicklungsaufgaben. Darum haben Kids (6 bis 11) und Teens (12 bis 16) ihr eigenes Programm in derselben Welt.

Kids brauchen Zugehörigkeit, Fantasie und das Erlebnis «Ich kann etwas». Teens beschäftigen Identität, Selbstbestimmung und die Gruppe der Gleichaltrigen. Sie bekommen eigene Geschichten, eigene Aufträge und eigene Abende – und gestalten ihre Woche mit.

Gemeinsam sind alle dort, wo es passt: im Morgenkreis, beim Singen und am Fest.

Erziehungspartnerschaft

Und die Eltern?

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